NSG Hangmoor Damerbruch
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Naturschutzgebiete

Stadt Straelen
Größe: 70 ha
Ausweisung: 19.12.2002
Landschaftsraum: Rheinterrassenlandschaft

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Das Hangmoor Schomm stellt eine urt√ľmliche Restfl√§che des Straelener Veens dar, einem weitausgedehnten Sumpfgebiet, das sich einst √ľber die Maasniederterrasse bis Venlo erstreckte. Das Schutzgebiet l√§uft westlich von Herongen als teilweise mehrere hundert Meter breites Band auf Venlo zu und nimmt insgesamt eine Fl√§che von √ľber 70 ha ein. Die Entstehung der Veenlandschaft geht urs√§chlich auf die erdgeschichtliche Entwicklung des niederrheinischen Tieflandes zur√ľck, das √ľber viele Jahrtausende im Zuge bestimmter geologischer Vorg√§nge in unterschiedliche Naturr√§ume gegliedert wurde. Durch tektonische Hebungen und Senkungen einzelner Erdkrustenschollen, eiszeitliche Terrassierungen mit gewaltigen Schottermassen, Flusslaufverlagerungen, die zu Hochflutablagerungen sowie Vertiefungen f√ľhrten, und Aufwehungen gro√üer D√ľnengebiete entstand schlie√ülich ein stark bewegtes Relief mit verschiedenen Bodenarten sowie entsprechenden Grund- und Oberfl√§chenwasserverh√§ltnissen. Das Straelener Veen liegt nun seinerseits in einer sich nach Norden √∂ffnenden Mulde, die westlich von den Maasd√ľnen und √∂stlich von den Rheinmittelterrassen eingerahmt wird. Der tonig-lehmige Untergrund sorgt f√ľhr einen oberfl√§chennahen Stau des in das Veen hinabflie√üenden Wassers, der durch einen unterirdischen Zufluss aus den Hochterrassen noch verst√§rkt wird. Dies lie√ü Heideseen, in den Maasm√§andern Altgew√§sser oder T√ľmpel und im √ľbrigen, tiefliegenden Gebiet weitfl√§chige Moorb√∂den entstehen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich in der Veenlandschaft unregelm√§√üige Vegetationsmuster aus Niedermooren mit wachsenden Torfb√∂den aus abgestorbenem Pflanzenmaterial, Bruchw√§ldern und offenen Wasserfl√§chen, die von aufeinanderfolgenden Verlandungsstadien umgeben waren.

Anf√§nglich haben die Menschen dieses unwegsame Sumpfgel√§nde gemieden. Erst im 13. und 14. Jahrhundert, als man den Wert f√ľr eine b√§uerliche Bewirtschaftung erkannte, wurde der √∂stliche Rand des Veens besiedelt. Im Vordergrund stand zun√§chst die Holzgewinnung und danach die Anlage von Wiesen und Weiden auf den gerodeten Fl√§chen. √Ėdland, also Heide oder Sumpf, geh√∂rten zur Allmende, einer dorfgemeinschaftlichen Nutzung. Das unkontrollierte Schlagen und der Viehverbiss durch die Waldweide f√ľhrten rasch zu einem Engpass in der Holzversorgung, weshalb der Torf als Brenn- und Heizmaterial schnell an Bedeutung gewann. Es wurden daher schon sehr fr√ľh die Torfvorkommen im Veen abgebaut, so dass zahlreiche Torfkuhlengew√§sser entstanden. Einen wichtigen Rohstoff stellten auch die Bl√§tter des Gagel, einem Feuchtgeh√∂lz an verlandenden Gew√§ssern, dar, die man zum Brauen von Bier verwendete. Das Hangmoor Schomm bei Straelen war seinerseits noch weit bis ins 19. Jahrhundert hinein als offene Wasserfl√§che ausgepr√§gt. Erst die verst√§rkten Grundwasserabsenkungen haben zu einer schrittweisen Entw√§sserung und allm√§hlichen Verlandung gef√ľhrt. Da der Fremdwasserandrang am Hangfu√ü der Hauptterrasse jedoch sehr hoch ist und entsprechend viel Wasser in diesem Bereich austritt, ist das Hangmoor trotz immer drastischerer Ma√ünahmen und unterschiedlicher Nutzungsversuche bis heute erhalten geblieben. Die Vegetationszonierung des hangwasserbeeinflussten Moores wird von dem von Norden nach S√ľden abnehmenden Angebot an N√§hrstoffen und der zunehmenden Vern√§ssung bestimmt. Im n√∂rdlichen Teil des Schutzgebietes haben sich auf den teils st√§rker entw√§sserten Moorb√∂den Erlen und Birken angesiedelt. Auf h√∂her gelegenen Standorten wird dieser Bruchwald in der Krautschicht von Pfeifengras begleitet, weiter unterhalb des Hanges stehen Seggen. Torfmoosdecken und im Fr√ľhjahr bl√ľhende Moorveilchen breiten sich auf dem morastigen Boden dazwischen aus. S√ľdlich folgen Grauweidengeb√ľsche und Schilfstreifen entlang der Quellb√§che. Im mittleren Bereich der Quellregion befinden sich gewaltige Horste der Rispensegge. Der urspr√ľnglichste Teil des Moores schlie√üt sich in Form von einer besonders bemerkenswerten Moosflora, Schneidenr√∂hrichten und Gagelgeb√ľschen an die Schilfzonen an. Die Gagelbest√§nde sind die letzten des Straelener Veens. Der gesamte Pflanzenbestand, an den auch eine spezielle Tierwelt gebunden ist, beinhaltet eine Vielzahl bedrohter oder seltener Arten, was das Hangmoor aus Gr√ľnden des Arten- und Biotopschutzes zu einem √§u√üerst wertvollen Gebiet macht. Hinzu kommt der Sachverhalt, dass solche nassen Standorte, wie Niedermoore, Bruchw√§lder oder Feuchtwiesen, vielfach v√∂llig aus der Landschaft verschwunden sind und somit einen hohen Seltenheitswert haben. Am Niederrhein haben diese naturgeschichtlichen Landschaftsbereiche zus√§tzlich einen besonderen Wert f√ľr die landschaftliche Eigenart, da sie den urspr√ľnglichen Charakter dieser Region widerspiegeln und gleichzeitig die Vielfalt des Landschaftsbildes erh√∂hen.

Seitens des Naturschutzes finden daher verschiedene Pflegema√ünahmen statt, die beispielsweise durch Geh√∂lzr√ľckschnitt von Weiden oder Birken die Erhaltung von offenen R√∂hrichten, Schneidenrieden und Gagelbest√§nden f√∂rdern sollen. Auch sollten die vorhandenen Pappel- und Nadelforste in standorttypische Laubwaldbest√§nde umgewandelt werden. Durch das Verschlie√üen zahlreicher Entw√§sserungsgr√§ben und Ma√ünahmen der Wiedervern√§ssung soll sich der Wasserhaushalt stabilisieren, so dass sich Erlenbruchw√§lder und Moorgew√§sser regenerieren oder neu entwickeln k√∂nnen. Au√üerdem k√∂nnten durch die Anlage von Gr√ľnlandbrachen oder Gew√§ssern und die anschlie√üenden Sukzessions- und Verlandungsstadien wieder neue Feuchtwiesen bzw. Moore geschaffen werden. Zum Schutz wird des weiteren die Schaffung einer breiten Pufferzone oberhalb der intensiv ackerbaulich genutzten Gel√§ndekante angestrebt. Dadurch soll der N√§hrstoffeintrag, der die Verlandung des Moores stark f√∂rdert, vermindert bzw. verhindert werden.

Naturschutz im Kreis Kleve

ein Projekt von Holger Hillmann (Texte, Fotos) und Thomas Bäumen (Redaktion, Webdesign und weitere Fotos)

 

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