NSG Caenheide/ NSG Niersaue bei Wachtendonk
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Naturschutzgebiete

Gemeinde Wachtendonk
Größe: 365 ha
Ausweisung: 05.01.1963 und 02.04.1999
Landschaftsraum: Rheinterrassenlandschaft

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Die zusammenh√§ngenden Naturschutzgebiete der fr√ľher ausgewiesenen ‚ÄěCaenheide‚Äú und der ‚ÄěNiersaue bei Wachtendonk‚Äú erstrecken sich √∂stlich von Straelen in einem bis zu zwei Kilometer breiten Streifen entlang der Niers bis nach Wachtendonk. Mit den angrenzenden Uferzonen und landwirtschaftlich oder forstlich genutzten Bereichen hat das gesamte Gebiet ein Fl√§che von √ľber 365 ha. Die Niers stellt das gr√∂√üte Flie√ügew√§sser des geldrischen Raumes dar und m√ľndet im niederl√§ndischen Gennep in die Maas. Die wichtigsten Nebengew√§sser der Niers sind die Nette, die Gelderner Fleuth, die Issumer Fleuth, die Kervenheimer M√ľhlenfleuth und die Kendel.
Aufgrund des einstmals beachtlichen Fischreichtums wurde die Niers bereits seit dem Mittelalter fischereiwirtschaftlich genutzt. Von der hohen Qualit√§t zeugen die l√§ngst erloschenen Vorkommen von Fischotter und Edelkrebs. Obwohl sie f√ľr die Schifffahrt nie eine Rolle gespielt hat, ist auch die Niers durch wasserbauliche Ma√ünahmen stark beeintr√§chtigt worden. Die ersten reichen bis in das 11. Jahrhundert zur√ľck, als der Fluss f√ľr den Betrieb von Wasserm√ľhlen √∂rtlich aufgestaut wurde. Im 13. Jahrhundert verlegte und begradigte man Abschnitte der Niers erstmals zum Talrand hin, um dadurch mehr Fallh√∂he f√ľr die M√ľhlanlagen zu gewinnen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Niersaue vorwiegend durch ertragarme Wiesen und Weiden sowie kleinfl√§chige Bruchw√§lder oder Auenwaldreste gepr√§gt, in h√∂heren Lagen fand auch eine ackerbauliche Nutzung statt. Mit der Industrialisierung, in deren Zuge regional vor allem die Textilindustrie stark zunahm, stiegen die Einleitungen von Abw√§ssern und F√§kalien stark an, was zu einer massiven Verarmung der Wasserflora und -fauna f√ľhrte. Nach umfassenden Entw√§sserungsma√ünahmen ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in den 1930er Jahren die Niers und zahlreiche Nebenfl√ľsse eingetieft und abschnittsweise begradigt. Die Ufer gestalteten sich fortan meist als regelm√§√üige Profile. Die beabsichtigte Abschw√§chung der Gew√§sserdynamik und der Windungst√§tigkeit sollte die Flie√ügew√§sser in ihrem Bett halten und die √úberschwemmung angrenzender Fl√§chen minimieren. Insgesamt f√ľhrten diese Ma√ünahmen zu einer Entw√§sserung der Aue, was nun eine weitaus intensiver betriebene landwirtschaftliche Nutzung zulie√ü. Entstanden ist schlie√ülich eine sehr vielf√§ltige Kulturlandschaft aus offenen Wasserfl√§chen mit R√∂hrichten und Hochstaudenfluren, Feuchtw√§ldern, aber auch extensiv genutztem Feuchtgr√ľnland, das von Hecken, Kopfb√§umen und Pappelreihen ges√§umt wird. Stellenweise trifft man auf buchenbestandene Landwehrw√§lle und die Erdh√ľgelreste alter Motten, also fr√ľhmittelalterlicher, h√∂lzerner Wasserburgen. In die stark b√§uerlich gepr√§gte Landschaft f√ľgen sich zahlreiche Bauernh√§user in der regionaltypischen vierseitig geschlossenen Hofform ein, die oftmals von hofnahen Obstweiden, den sogenannten Bongerten, begleitet werden.

Angrenzend an arten√§rmere ackerbaulich oder intensiv weidewirtschaftlich genutzte Fl√§chen haben besonders die naturnahen Feuchtgebiete eine wichtige Funktion als R√ľckzugsr√§ume f√ľr viele Tier- und Pflanzenarten. Als dementsprechend wertvoll und vielf√§ltig ausgepr√§gt kann das Gebiet entlang der Wachtendonker Niersaue gelten. Die Feuchtw√§lder, meist kleinere Restbest√§nde des regionaltypischen Erlenbruchwaldes an verlandenden Altgew√§ssern, gehen h√§ufig in Traubenkirschen- und Eschenbest√§nde √ľber. Das Auftreten von Brennnesseln oder Brombeerstr√§uchern zeigt jedoch auch hier die St√∂rungen durch Grundwasserabsenkungen an. Auf den eigentlichen Auwaldstandorten wachsen durch die ausbleibenden √úberschwemmungen, aber noch deutlichen Grundwassereinfl√ľsse Eichen und Hainbuchen, in trockenen Talrandlagen eichenreiche Buchenw√§lder. Zur Vogelwelt der Feuchtw√§lder geh√∂ren Pirol, Nachtigall, Kleinspecht, Sumpfmeise oder Weidenmeise. Die R√∂hrichte oder Hochstaudenfluren entlang von Gr√§ben, Altwasserresten, Feuchtwiesenbl√§nken oder neuangelegten Artenschutzgew√§ssern bieten Sumpfrohrs√§ngern, Rohrammern oder Teichrohrs√§ngern wertvolle Lebensr√§ume. Auf den feuchten Gr√ľnlandfl√§chen dieser abwechslungsreichen und besonders eigent√ľmlich ausgepr√§gten Kulturlandschaft sind Wiesenv√∂gel, wie der Kiebitz, Schafstelzen oder auch Greifv√∂gel, wie M√§usebussard oder Baumfalke vertreten, die in der Niersaue ihre Jagdreviere haben.

Die intensive Nutzung durch eine hohe Mahdfrequenz und Beweidungsintensit√§t, begleitet von G√ľlled√ľngung, Biozideinsatz und Entw√§sserung haben die urspr√ľngliche Vielfalt vielerorts jedoch deutlich reduziert. Die Belastung der Gew√§sser mit N√§hrstoffen, die von angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Fl√§chen eingetragen werden, behindert dort zudem eine naturnahe Entwicklung, so dass die Flora und Fauna daher meist auf belastungstolerante Arten beschr√§nkt bleibt. Um diese Situation zu verbessern, versucht der Naturschutz durch eine Extensivierung der Nutzung und damit auch Verminderung des N√§hrstoffeintrags, durch Sohlenanhebungen der Niers und verschiedene Renaturierungsma√ünahmen eine abschnittsweise Revitalisierung des Gew√§ssers, der Aue und der Feuchtwiesen zu erreichen. Weiterhin sollen Altarme wieder angebunden werden und eine R√ľckverlegung der Niers in einen naturnahen, gewundenen Verlauf erfolgen. Weitere Punkte sind die Wiederherstellung der Durchg√§ngigkeit des Flusses f√ľr Fische und andere Wassertiere.

Naturschutz im Kreis Kleve

ein Projekt von Holger Hillmann (Texte, Fotos) und Thomas Bäumen (Redaktion, Webdesign und weitere Fotos)

 

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