NSG Heronger Buschberge und Wankumer Heide
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fr√ľher: NSG Krickenbecker Seen

Stadt Straelen/Gemeinde Wachtendonk
Größe: 630 ha
Ausweisung: 29.12.2003
Landschaftsraum: Rheinterrassenlandschaft

Die Krickenbecker Seen liegen zwischen Herongen und Hinsbeck im Nettetal. Einschlie√ülich der zahlreichen Gew√§sser, gro√üen Waldbereiche und Gr√ľnlandfl√§chen ist das gesamte Gebiet gro√ür√§umig als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden und stellt einen Bestanteil des Naturparks Schwalm-Nette dar. Der n√∂rdliche Teil des Naturschutzgebietes, die ‚ÄěHeronger Buschberge und Wankumer Heide‚Äú, geh√∂rt mit einer Fl√§che von fast 630 ha zum Kreis Kleve.
Urspr√ľnglich standen in dieser von hohen Grundwasserst√§nden gepr√§gten Landschaft entlang der Nette vornehmlich von Erlen dominierte Bruchw√§lder. √úber die Jahrtausende hinweg haben sich dann durch Vermoorungsprozesse m√§chtige Bruchwaldtorfschichten gebildet. Im 15. Jahrhundert begannen die in der Umgebung siedelnden Menschen daher kleinfl√§chig den anstehenden Torf zu gewinnen, der vor allem als Brennstoff, Stallstreu oder D√ľngemittel Verwendung fand. Es entstanden daher zunehmend vereinzelte, kleine Torfstichgew√§sser, die sogenannten Torfkuhlen. Dennoch kann man auch zu Beginn des 17. Jahrhunderts das gesamte Nettetal gr√∂√ütenteils noch als ausgedehntes Sumpfland bezeichnen. Erst im weiteren Verlauf wurde der Torf allm√§hlich immer gro√üfl√§chiger gewonnen, so dass sich im Schrolik und Poelvenn Seen entwickelten, die sich im 18. Jahrhundert durch den Anschluss an die Nette weiter vergr√∂√üerten. Gleichzeitig begann man auch das Glabbacher und das Hinsbecker Bruch auszutorfen. Die gr√∂√üte Ausdehnung hatten diese Gew√§sser um 1800. Weitere, allerdings wesentlich kleinere Gew√§sser sind im Zuge des regional sehr intensiv betriebenen Flachsanbaus entstanden. In diesen Flachskuhlen oder Flachsr√∂sten wurde der Flachs nach seiner Ernte eingeweicht, um ihn f√ľr die weitere Verarbeitung zu Leinen vorzubereiten. Die Kuhlen legte man in Moorb√∂den mit hoch anstehendem Grundwasser an, da die G√§rung des Flachses nur in Gew√§ssern m√∂glich war, die einen hohen Humins√§ureanteil aufweisen konnten. Andere Bereiche des einstigen Bruchgebietes wurden nach der Urbarmachung in Gr√ľnland umgewandelt und als Wiesen oder Weiden genutzt.

Insgesamt wiesen die Krickenbecker Seen infolge der verschiedenen Eingriffe und Kultivierungsma√ünahmen eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensr√§ume auf. Die Unterwasser- und Schwimmblattvegetationen f√∂rderten zugleich eine artenreiche Fischfauna. Die oft sehr breiten R√∂hrichtbest√§nde an den Ufern der verschiedenen Gew√§sser, die zahlreichen V√∂geln als Bruthabitate und Amphibien als Laichhabitate dienten, gingen als Folge der nat√ľrlichen Verlandung in Seggenrieder sowie Weiden- oder Gagelgeb√ľschbest√§nde und schlie√ülich in Erlen- oder Birkenbr√ľche √ľber. Vielerorts bildeten sich artenreiche Feuchtgr√ľnlandfl√§chen aus, die auf den h√∂her gelegenen, trockeneren Standorten teilweise in alte Eichen- und Buchenw√§lder oder, bedingt durch eine weidewirtschaftliche Nutzung, auch in Heide √ľbergingen. Durch Einleitungen von Abw√§ssern in die Nette verschlechterte sich in j√ľngerer Zeit die Wasserqualit√§t jedoch derartig, dass viele Gew√§sser verschlammten und sich die verschiedenen Pflanzengesellschaften entsprechend ver√§nderten. Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten verschwanden daher aus dem Gebiet.

Die abwechslungsreiche Struktur dieser Landschaft ist im allgemeinen jedoch erhalten geblieben, was dem Naturschutz die M√∂glichkeit gab die Lebensbedingungen durch gezielte Pflege- und Entwicklungsma√ünahmen wieder stark zu verbessern. Von der entsprechenden Aufwertung bzw. Vergr√∂√üerung vieler Bereiche und verschiedener Biotope haben wiederum auch zahlreiche Tierarten profitiert, so dass die Artenzahlen sich festigen und die Best√§nde sich teilweise wieder erholen konnten. Zu den Leitarten der Krickenbecker Seen geh√∂rt der Graureiher, der dort mit einer Kolonie von √ľber 250 Brutpaaren vertreten ist und die unzug√§nglichen Erlenbruchw√§lder zum horsten nutzt. Die Seen und Kleingew√§ssern, aber auch das Gr√ľnland in unmittelbarer N√§he liefern ein ausreichendes Nahrungsangebot an Fischen bzw. M√§usen. Als Brutv√∂gel der R√∂hrichte sind Wasserralle, Teichrohrs√§nger, Sumpfrohrs√§nger und Rohrammer zu nennen. An Wasserv√∂geln trifft man unter anderem auf Haubentaucher, Kn√§kenten oder G√§nses√§ger. Die alten Buchen- und Eichenbest√§nde sind insbesondere f√ľr H√∂hlenbr√ľter, wie Gr√ľn-, Bunt- oder Kleinspecht, Hohltaube und Dohle sowie auch zahlreiche Flederm√§use, die in den verlassenen Spechth√∂hlen siedeln, attraktiv. Auch Amphibien sind mit Arten, wie Teichmolch, Bergmolch, Grasfrosch, Wasserfrosch oder Erdkr√∂te in ausreichender Zahl vor allem an den Kleingew√§ssern vertreten. Ebenso ist in diesen Bereichen die nachgewiesene Libellenfauna √§u√üerst artenreich. Besonders hervorzuheben sind au√üerdem die Feuchtgr√ľnlandfl√§chen, in denen noch Orchideen oder Knabenkraut wachsen, und die pflegebed√ľrftigen, kleinen Heidefl√§chen, die gef√§hrdete Arten, wie Quendelseide, Lungenenzian oder Rasenbinse beherbergen. Insgesamt macht die Artenvielfalt der teilweise fast unber√ľhrten und besonders sch√∂nen Natur- und auch Kulturlandschaften die Krickenbecker Seen zu einem bedeutenden und √∂kologisch sehr wertvollen Naturschutzgebiet. Das reizvolle Wechselspiel von Bewaldung, offenen Wiesen, Weiden und Heidefl√§chen sowie unterschiedlich ausgepr√§gten Gew√§ssern schafft eine charakteristisch ausgepr√§gte Rheinterrassenlandschaft.

Naturschutz im Kreis Kleve

ein Projekt von Holger Hillmann (Texte, Fotos) und Thomas Bäumen (Redaktion, Webdesign und weitere Fotos)

 

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