Wasserm├╝hlen
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M├╝hlen stellten eine revolution├Ąre technische Neuerung dar, die durch die erste Nutzung nat├╝rlicher Energiequellen viele Arbeitskr├Ąfte ersetzen konnte und fortan eine Weiterverarbeitung vor allem von Getreideerzeugnissen in entsprechend gr├Â├čeren Dimensionen erm├Âglichte. Der Bedarf an solchen M├╝hlen wuchs besonders angesichts der angestiegenen landwirtschaftlichen Produktion stark an. M├╝hlen wurden neben der Funktion des Getreidemahlens aber auch als Antriebskraft f├╝r S├Ągewerke oder f├╝r Pochhammer genutzt. Zudem gab es ├ľlm├╝hlen, Lohm├╝hlen zur Lederverarbeitung oder auch Walkm├╝hlen zur Tuchverarbeitung. Im hohen Mittelalter waren M├╝hlen somit ein wichtiger Faktor den fr├╝hen wirtschaftlichen Aufschwung und die wachsende Vormachtstellung Europas, da zum einen eine stetig ansteigende Bev├Âlkerungszahl mit Grundnahrungsmittel versorgt werden konnte und zum anderen die erh├Âhte G├╝terproduktion eine vorindustrielle Entwicklung begr├╝ndete.
Die Erfindung der Wasserm├╝hle geht urspr├╝nglich schon in vorchristliche Zeiten zur├╝ck. Nachdem sie jedoch in der Antike und in den Wirren der V├Âlkerwanderungen weitgehend eine eher untergeordnete Rolle spielte und nahezu in Vergessenheit geraten war, wurde sie im fr├╝hen Mittelalter seit dem 9. Jahrhundert auch im Niederrheingebiet eingef├╝hrt. Mit der systematischen Rodungst├Ątigkeit und durch die technischen Fertigkeiten der Benediktiner und Zisterzienser, die sich verst├Ąrkt f├╝r die Kultivierung des Landes einsetzten, stieg allm├Ąhlich auch die Zahl der Wasserm├╝hlen an. Der zeitliche Schwerpunkt des Wasserm├╝hlenbaus liegt f├╝r den gesamten Niederrhein zwischen 1350 und 1600, f├╝r den Bereich der Niers schon im 13. Jahrhundert. Urs├Ąchlich daf├╝r sind die Bem├╝hungen der Territorialherren, die ihre Stellung durch die steigenden Einnahmen zu festigen suchten. Zu fast jeder Burg, die in der Regel ebenfalls an einem Flie├čgew├Ąsser lagen, geh├Ârten eine oder mehrere M├╝hlanlagen. Erst im 17. Jahrhundert lie├č im Untersuchungsgebiet der Bau neuer Wasserm├╝hlen deutlich nach, da der Gro├čteil der g├╝nstigen Standorte mit guten Staum├Âglichkeiten bereits ausgenutzt worden war, so dass im 19. Jahrhundert die Wasserm├╝hlengr├╝ndungszeit schlie├člich endg├╝ltig abgeschlossen war.

Der wesentlichste Bestandteil einer Wasserm├╝hle ist der Antrieb, also das meist h├Âlzerne Wasserrad mit Radachse und Schaufeln sowie die entsprechenden Kraft├╝bertragungsvorrichtungen, welche die Wasserenergie ├╝ber Wellen und Kammr├Ąder in Bewegungsenergie umwandeln. Grob zu unterscheiden sind die unterschl├Ąchtige M├╝hle, bei der das Wasser durch ein Gerinne str├Âmt, in welches das M├╝hlrad hineinragt, und die oberschl├Ąchtige M├╝hle, bei der das Wasser ├╝ber ein h├Âlzernes Gerinne oben auf das Rad aufschl├Ągt. Bei dem mittelschl├Ąchtigen M├╝hlenantrieb trifft das Wasser in etwa auf H├Âhe der Radachse auf die Schaufeln. Wo es nat├╝rliche H├Âhenunterschiede zulie├čen wurden die wesentlich leistungsf├Ąhigeren oberschl├Ąchtigen R├Ąder bevorzugt. Im verh├Ąltnism├Ą├čig flachen Unteren Niederrhein dominierten dementsprechend jedoch die unterschl├Ąchtigen Wasserm├╝hlen, die zudem mit einer vergleichsweise geringen Wassermenge auskamen. Um die st├Ąndig der Witterung ausgesetzten und daher oft stark in Mitleidenschaft gezogenen M├╝hlr├Ąder zu sch├╝tzen, entstanden neben dem eigentlichen M├╝hlengeb├Ąude vielfach Radh├Ąuser oder Radstuben als Schutzbauten. Weitere Nebenanlagen einer Wasserm├╝hle stellen die M├╝hlenstaue mit dem meist h├Âlzernen Stauwehr zur Regulierung des Wasserstandes und die dahinter entstehenden M├╝hlkolke dar. Hinzu kommen k├╝nstlich angelegte M├╝hlgr├Ąben sowie M├╝hlteiche und M├╝hlweiher, die lediglich der vorbeugenden Wasserspeicherung dienten, um eine konstante Inbetriebnahme der Anlage zu gew├Ąhrleisten.
Da im Sinne des jeweiligen Landesherrn eine bestm├Âgliche Nutzung der Wasserkraft angestrebt wurde, siedelten sich zahlreiche M├╝hlen teilweise relativ dicht hintereinander, entlang eines Gew├Ąssers an. Die ├ťberflutungen und Versumpfungen der ohnehin kaum landwirtschaftlich genutzten Uferbereiche wurden dabei billigend in Kauf genommen. Insgesamt sind Wasserm├╝hlen und die zugeh├Ârigen wasserbaulichen Anlagen gemessen an der einstigen H├Ąufigkeit am Unteren Niederrhein selten geworden. Dennoch sind vielerorts, besonders entlang der Niers und ihrer Zufl├╝sse, aber auch in stadtnahen Bereichen um Goch, Geldern, Straelen oder Wachtendonk, Wasserm├╝hlen oder deren Relikte erhalten geblieben. Die meisten alten Wasserm├╝hlen stehen, begr├╝ndet durch ihre baugeschichtliche und st├Ądtebauliche Bedeutung, als ausgewiesene Baudenkm├Ąler unter Schutz. Sie haben das Leben und Wirtschaften der Menschen gerade in dieser Region sehr stark mitbestimmt und sind somit wertvolle Zeugnisse vergangener Epochen. Wasserm├╝hlen sind sehr pr├Ągende Kulturlandschaftselemente, die sich harmonisch in die niederrheinische Landschaft einf├╝gen.

Naturschutz im Kreis Kleve

ein Projekt von Holger Hillmann (Texte, Fotos) und Thomas B├Ąumen (Redaktion, Webdesign und weitere Fotos)

 

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